"Vielen Dank für Ihre Nachricht." - "Thank you for contacting us." Ich bin ein höflicher Mensch. Aber manchmal vergesse ich meine Kinderstube und schreibe ungehaltene Mails - zum Beispiel an ein Versandhaus, das plötzlich eigenwillige Geschäftsbedingungen geltend macht, zum Beispiel an ein Amt, das mich nicht verstehen will. Aber ganz egal, wie unhöflich ich bin, ich höre immer zuerst: "Vielen Dank für Ihre Nachricht. - Thank you for contacting us."
Ich habe schon die Probe aufs Exempel gemacht. Ich habe in mehreren kleinen Feldversuchen ganz wider meine Natur beleidigt, gedroht, die Zähne gefletscht, immer wieder hieß es: "Vielen Dank für Ihre Nachricht. - Thank you for contacting us." Natürlich weiß ich, daß das das Mantra eines jeden Kundenkontakt-Seminars ist. Es ist sozusagen die verinnerlichte Formel für: Du kannst mir auf den Kopf spucken, ich wische es ab und bedanke mich. Denn Du bist mein König Kunde. Was kann ich für Dich tun?
Ich wünsche mir aber den ehrlichen schroffen Ton vom Amt zurück. Denn dieses Nickneger-Bedanken selbst für Beleidigungen verhöhnt mehr, als der barsche Amtsstuben-Ton von einst je klein machen konnte. Damals hat der Herr vom Amt unverbrämt zu verstehen gegeben, daß er Wichtigeres zu tun hat. Was man sich erdreiste. Da konnte man gleich so schön zornig werden über diese Überheblichkeit. Da hatte man gleich den "Sesselfurzer" auf der Zunge, den man natürlich niemals ausgesprochen hätte. Und auf dem Heimweg suhlte man sich in hochheiligem Zorn. Nun läuft die ganze Erregung ins Leere, verpufft aber nicht.
In kleinen Amtsstuben fernab von Kundenkontakt-Seminaren ist der alte Ton konserviert. Dort wird einem noch unverblümt zu verstehen gegeben, daß man stört, daß man sich bitte kurz fassen möge. Ich fürchte nur, daß irgendwann auch dort höhnisch grinsende Nickneger den grummelnden Sesselfurzer ersetzen werden.