"Hier nehmen sie dir Schuhe, Brille und Zähne weg, damit du nicht wegrennen kannst. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis du ins Bett pinkelst." Sagt Christiane Hörbiger in einer TV-Schnulze bei der Besichtigung eines luxuriösen Alten-Stifts. Recht hat sie.
Begeben wir uns einst in fremde Hände, können wir uns gleich in die geschlossene Alzheimer-Station einweisen lassen. Der Unterschied ist marginal. Denn ein Altenheim macht es sich zur Aufgabe, seinen Insassen eine eigenwillige Pflege zuteil werden zu lassen. 300prozentig hier, 15prozentig da.
Nehmen wir an, eine 89jährige Insassin eines Heims brauchte jeden Abend ihr Fläschchen Wein. Undenkbar! Das könnte der 89jährigen Leber schaden. Das könnte dazu führen, daß die Dame mit ihrem Fläschchen nicht 97 wird, sondern nur 96. Aber gebadet wird die Alte nur alle 14 Tage, das muß genügen. Und es interessiert niemanden, daß die Alte bis zum Einzug ins Heim jeden Tag gebadet hat.
Gleichzeitig hat so ein Heim kein Problem damit, daß der Herr Doktor die Dame regelmäßig einmal jährlich wegen Blutarmut ins Krankenhaus einweisen läßt. Aus dem diese ebenso regelmäßig verstört zurückkehrt mit der schulterzuckenden Diagnose: Blutarmut? Welche Blutarmut? Und wenn sie zu oft aufs Klo muß? Ohne Hilfe aber nicht mehr auf die Schüssel klettern kann? "Lassen Sie´s doch laufen, Sie haben ja eine Windel an."
Nein, nein, nein, ehe ich mich einweisen lasse, klettere ich unter dem Vorwand, dem Herrn nahe sein zu wollen, auf den Kirchturm. Mich kriegt ihr nicht!