Das Urheberrecht ist ja im Moment ein ganz erstaunlich vieldiskutiertes Thema. Die mehr oder weniger prominenten Unterzeichner eines Aufrufs namens "Wir sind die Urheber" werden aktuell sogar bedroht. Woher kommt nur die Idee, man dürfe sich einfach nehmen, was andere erfunden haben, nur weil es plötzlich technisch machbar ist?
Nehmen wir an, Ihr Nachbar hat in monatelanger Arbeit eine wunderschöne Statue geschaffen. Aus einem ganz edlen Holz, das er sich bestellt hat, auf das er wochenlang gewartet hat. Und dann stellt er diese wunderschöne Statue in seinen Garten. Sie gehen täglich daran vorbei. Die Statue gefällt Ihnen. Gut. Sehr gut. Und dann gehen Sie hin, machen ganz ungeniert einen Abdruck von der Statue und lassen diese nachschnitzen und stellen die Kopie vor der eigenen Haustür auf. Peinlich? Ihnen doch nicht. Was stellt der Depp die Statue auch in seinen Garten!
Ihre Nachbarin auf der anderen Seite spielt Klavier. Richtig gut. Richtig schön. Seit Tagen spielt sie ein mitreißendes Stück, das sie offenbar selbst komponiert hat. Weil Ihnen das Stück so gefällt, gehen Sie ans Fenster der Nachbarin, nehmen das Stück auf und spielen es fortan nach. Sie spielen selbst zwar nicht halb so gut, aber Sie können das nachklimpern, wenn sie so etwas Schönes auch nie hätten komponieren können. Peinlich? Ihnen doch nicht. Was spielt die auch bei offenem Fenster!
Wie kommt es, daß Ihnen das nicht mehr peinlich ist, wenn Sie etwas klauen? Nur weil es technisch möglich ist? Und weil es kaum mehr zu stoppen ist, soll es auch legal sein, wenn es nach diesen komischen Piraten geht? Demnächst klaut also der Wald-und-Wiesen-Schreiberling von Goethe und Schiller. Peinlich? Dem doch nicht!